Amateurfunk vor 40 Jahren


Viele der zur Zeit alltäglichen Funktechniken und Übertragungsverfahren gab es damals noch nicht. Als Vorläufer der heute so geläufigen digitalen Übertragungsarten wurde lediglich CW (Telegrafie) und in kleinem Umfang RTTY (Funkfernschreiben) praktiziert. Der heute fast in jeder Funkbude stehende PC war noch rund 10 Jahre vor seiner "Erfindung". Wo vereinzelt bereits Rechner oder Rechnerbausteine verwendet wurden, waren sie gegenüber dem heutigen PCs von minimaler Leistungsfähigkeit. Die heute übliche Prozessorsteuerung von Funkgeräten war noch undenkbar. Die Erfindung des Transistors lag bereits über 20 Jahre zurück. Er war vor allem beim Selbstbau von elektronischen Schaltungen beliebt. Es war die hohe Zeit der "Germanen", die Siliziumtechnik wuchs erst aus den Kinderschuhen heraus. Der Bastler plagte sich mit instabilen Arbeitspunkten, Wärmeempfindlichkeit, Leistungseinschränkung und Grenzfrequenzen. Leistungs- und HF-Transistoren waren teuer und 'starben' häufig sang- und klanglos. Jeder HF-Bastler sammelte ausgesuchte Exemplare mit hoher Grenzfrequenz. Es gab bereits integrierte Hybridschaltungen mit wenigen Elementen bzw. einfachen Funktionen wie NF-Verstärker, ZF-Verstärker. Der Begriff der sogenannten eisenlosen NF-Endstufe lag hoch im Kurs. Die ersten Feldeffekttransistoren kamen zur Anwendung.
Die heute so selbstverständliche Frequenzkonstanz von VFO-einstellbaren Funkgeräten, z.B. zum sicheren Einhalten der Bandgrenzen, war nicht gegeben. Auf den Kurzwellenbändern wurden dafür noch regelmäßig Eichsendungen ausgestrahlt.

Betriebsarten:

Auf den Kurzwellenbändern konkurrierte die aufstrebende Modulationsart SSB mit der bewährten AM. Die Nutzung des 2m-Bandes nahm zu. Auch im Mobilbetrieb waren VFO-Abstimmung oder Quarz-Kanalgeräte mit Röhren-Endstufen üblich; die Kanalrasterung im 2m-Band lag noch bei 50 kHz. Vielleicht wurde bereits über Relais im 2m-Band nachgedacht - die heute für den Mobilisten überall erreichbaren Relais gab es noch nicht. Man kannte noch nicht ihren Nutzen, aber auch nicht den Ärger, den die Relais später mit sich gebracht haben. Schon damals wurden die ersten EME-Verbindungen (Erde-Mond-Erde) auf 2m getätigt. Einige Gruppen pflegten bereits Verbindungen auf dem 23cm-Band. Die Rekorde, auf immer höherfrequenten Bändern Verbindung mit neuen Ländern aufzubauen, wuchsen gerade aus den Anfängen heraus.
Die Erkenntnis der höheren Effektivität der SSB-Modulation und die hohe Sprachqualität der Frequenzmodulation auf 2m (und beginnend auf 70cm) markierten eine Trendwende im Amateurfunk: SSB- und UKW-Technik stellten so hohe Anforderungen an den Aufbau und die Meßtechnik, daß der vorher sehr stark verbreitete Selbstbau von Empfängern und Sendern immer mehr zugunsten der 'Steckdosen-Betriebstechnik' zurückging.

Franz A. Schneider, DJ1NW